Bluthochdruck, auch als arterielle Hypertonie bekannt, ist eine der häufigsten Volkskrankheiten. Viele Betroffene bemerken jedoch lange Zeit nichts von ihrem erhöhten Blutdruck, da dieser in der Regel ohne Symptome bleibt. Dabei kann ein unerkannter und unbehandelter Bluthochdruck langfristig schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. In diesem Artikel erfährst du, wie du vorgehst, wenn ein Verdacht auf Bluthochdruck besteht, welche Risiken er birgt und welche Maßnahmen helfen können.
Blutdruck - was ist das?
Der Blutdruck misst den Druck, mit dem das Blut durch die Arterien gepumpt wird. Dieser Druck entsteht durch die Arbeit des Herzens, das das Blut wie eine Pumpe in den Kreislauf befördert. Dabei gibt es zwei Werte:
- Systolischer Druck: Das ist der höhere (obere) Wert, der entsteht, wenn das Herz sich zusammenzieht (sich kontrahiert) und Blut mit Kraft in die Gefäße pumpt.
- Diastolischer Druck: Das ist der niedrigere (untere) Wert, der gemessen wird, wenn das Herz entspannt ist und sich mit Blut füllt.
Ein Beispiel aus dem Alltag: Wasserleitungen
Stell dir deine Blutgefäße wie ein Netzwerk von Wasserleitungen vor. Wenn der Blutdruck dauerhaft erhöht ist, ist das so, als ob in einem Rohrsystem ständig zu viel Wasser mit hohem Druck durchgepresst wird.
- Was passiert mit der Pumpe? Die Pumpe muss gegen den Widerstand im System arbeiten. Hierfür muss sie mehr Druck aufbauen, wofür sie mehr Leistung benötigt. Kann diese Leistung nicht zur Verfügung gestellt werden fällt die Pumpe aus.
- Was passiert mit den Leitungen? Die Wände der Rohre (in deinem Körper die Gefäßwände) stehen unter Dauerbelastung. Sie können spröde werden, kleine Risse entwickeln oder sich durch die ständige Belastung verdicken, um den Druck auszugleichen. Diese Verdickungen verringern den Platz im Rohr (das Gefäß wird enger), was den Druck weiter erhöht – ein Teufelskreis.
- Was passiert bei zu viel Druck? Wenn der Druck zu hoch wird, können die Rohre platzen. Im Körper kann dies zu Blutungen führen, die an verschiedenen Orten zu Komplikationen führen können.
Warum schadet Bluthochdruck langfristig?
- Das Herz arbeitet unter Dauerlast: Wie eine Pumpe, die ständig gegen einen zu hohen Widerstand arbeiten muss, wird das Herz überlastet. Zunächst reagiert es auf den erhöhten Widerstand im Gefäßsystem wie jeder andere Muskel auch indem es kräftiger wird. Dabei kommt es zu einer Verdickung des Herzmuskels, wodurch sich auch der Sauerstoffbedarf erhöht. Da dieser häufig nicht gedeckt werden kann, verliert das Herz an Effizienz. Ab einer gewissen Größe kommt es dann ebenfalls dazu, dass das Herz “ausleiert” und sich vergrößert. Beide Faktoren zusammen führen zu einer Herzinsuffizienz.
- Die Gefäße verlieren ihre Elastizität: Gefäße sind normalerweise flexibel und können sich an Druckänderungen anpassen. Bei Bluthochdruck verhärten sie mit der Zeit, was das Risiko für Ablagerungen (Arteriosklerose) erhöht. Das ist vergleichbar mit einem alten Gartenschlauch, der steif wird und anfälliger für Schäden ist.
- Organe werden schlechter durchblutet: Organe wie das Gehirn, die Nieren oder die Augen sind auf eine gleichmäßige und ausreichende Blutversorgung angewiesen. Wenn die Gefäße geschädigt sind, kann weniger Blut fließen. Das führt zu Funktionsstörungen – wie Gedächtnisproblemen, Nierenschäden oder Sehverlust.
- Einblutungen: Durch den erhöhten Druck und die Schädigung der Gefäße, kann es zu Schäden an kleinsten Gefäßen kommen, wodurch es zu Einblutungen in empfindliche Gewebe kommt. Betroffen sein können zum Beispiel die Augen oder auch das Gehirn.
Was ist ein Bluthochdruck?
Ein optimaler Blutdruck liegt bei unter 120/80mmHg. Werte bis 139/89mmHg gelten als hochnormal, alles darüber als therapiebedürftig. Der Bluthochdruck kann in verschiedene Stadien eingeteilt werden. Für die Therapie gibt es eine Vielzahl verschiedener medikamentöser Optionen. Darüber hinaus lässt sich durch einen Lebensstilwandel ggf. ebenfalls eine Senkung des Blutdrucks erreichen.
Wie wird Bluthochdruck festgestellt?
Der Blutdruck kann in einem simplen Verfahren über eine Messung mittels einer Blutdruckmanschette und einem Stethoskop durch eine Ärzt:In oder anderes medizinisches geschultes Personal gemessen werden. Alternativ gibt es auch elektronische Messgeräte, die die Blutdruckmessung zugänglicher machen. Hier gibt es gravierende Qualitäts- und Preisunterschiede, auf die wir später noch eingehen werden.
Häufig wird der Blutdruck bei der Hausärzt:In oder zum Beispiel auch der Frauenärzt:In kurz nach dem Betreten der Praxis einmalig gemessen. Aus logistischen Gründen ist dieses Verfahren, das in vielen Praxen angewandt wird nachvollziehbar, jedoch bedingt durch die fehlende Ruhe vor der Messung anfällig für falsch hohe Ergebnisse. Darüber hinaus sind Messungen in Anwesenheit der Ärzt:In ebenfalls fehleranfällig (Stichwort “Weißkittelhypertonie). Solange der Blutdruck in diesen Messungen im gesunden Bereich liegt, ist alles in Ordnung. Wird hierbei jedoch ein erhöhter Wert festgestellt werden, sollte nicht direkt von einem Bluthochdruck gesprochen werden, sondern weitere Verfahren herangezogen werden, um möglichst nah an den tatsächlichen, durchschnittlichen Blutdruck im Alltag zu gelangen. Hierfür können entweder wiederholte Heimmessungen, die in einem Blutdrucktagebuch dokumentiert werden oder eine 24h-Messung genutzt werden. Dazu später mehr.
Wozu führt ein Bluthochdruck?
Ein unbehandelter Bluthochdruck kann langfristig schwerwiegende gesundheitliche Schäden verursachen. Eine frühzeitige Abklärung ist entscheidend, um Komplikationen zu vermeiden.
Herz:
Bluthochdruck belastet das Herz dauerhaft. Das kann zu einer Vergrößerung des Herzmuskels führen, wodurch die Pumpfunktion abnimmt. Langfristig steigt das Risiko für Herzinsuffizienz und Herzinfarkte.
Gefäße:
Die Blutgefäße stehen durch den hohen Druck ständig unter Stress. Große Gefäße wie die Hauptschlagader (Aorta) können Risse oder Erweiterungen entwickeln. Verengungen der Halsschlagader erhöhen das Risiko für Schlaganfälle.
Gehirn:
Bluthochdruck schädigt die kleinen Gefäße im Gehirn. Dies kann zu Schlaganfällen, Gedächtnisproblemen und langfristig zu einer vaskulären Demenz führen. Bei der vaskulären Demenz kommt es durch eine über Jahre gesammelte Vielzahl an kleinen Infarkten im Gehirn zu Störungen der Gehirnfunktion.
Nieren:
Die Nieren sind empfindlich gegenüber hohem Blutdruck. Schäden können dazu führen, dass die Nieren schrumpfen und ihre Funktion verlieren, was in schweren Fällen eine Dialyse notwendig macht.
Augen:
Auch die kleinen Blutgefäße der Netzhaut können durch Bluthochdruck geschädigt werden. Dies kann Sehstörungen verursachen, die oft erst in fortgeschrittenen Stadien bemerkt werden.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Die Diagnose Bluthochdruck wird nicht auf Basis einer einzelnen Messung gestellt, insbesondere nicht unter ungewöhnlichen Bedingungen wie direkt nach körperlicher Anstrengung, vor einer Blutspende oder während einer Messung am Arbeitsplatz direkt nach der Diskussion mit dem Chef. Faktoren wie Stress, Aufregung, Gespräche, schlechter Schlaf oder aber auch die Messbedingungen bzw. das genutzte Messgerät können die Werte verfälschen.
Blutdruckmessung zuhause
Um ein genaues Bild zu erhalten, führst du am besten über sieben Tage hinweg regelmäßig Messungen durch und dokumentierst diese in einem Blutdrucktagebuch.
{{download-item}}
- Messe morgens und abends, jeweils zweimal hintereinander mit mindestens einer Minute Abstand.
- Beachte dabei die “Regeln” zur korrekten Heimmessung
- Bequem und aufrecht angelehnt sitzen
- Füße flach auf dem Boden aufgesetzt
- Den Oberarm unbekleidet und auf Herzhöhe ablegen
- Manschette ca. 2cm oberhalb der Ellenbeuge anlegen
- Korrekte Manschettengröße wählen
- Ein qualitativ hochwertiges Messgerät wählen

- Darüber hinaus sollten folgende Dinge beachtet werden:
- 30min vor der Messung kein Sport, keine Nahrungsaufnahme, kein Kaffee, kein Alkohol, kein Stress durch Arbeit etc., nicht Rauchen
- Vor der Messung 5min ruhig sitzen
- Auf eine angenehme Umgebungstemperatur achten
- Keine Gespräche während und zwischen den Messungen
- Keine Unterhaltung durch Fernsehen, Smarthphone etc.
- Notiere alle Werte in einem Blutdruck-Tagebuch.
- Der Durchschnittswert aus allen Messungen sollte unter 135/85mmHg liegen. Liegt er darüber, könnte ein Bluthochdruck vorliegen. Besprich die erhobenen Messwerte in jedem Fall mit einer Ärzt:In.

24-Stunden-Blutdruckmessung
Eine 24-Stunden-Blutdruckmessung liefert die zuverlässigste und breiteste Datenbasis, da die Manschette innerhalb der 24h Tragezeit mehrfach stündlich (tagsüber meist 2-4x, nachts meist 1-2x) den Blutdruck misst. Insbesondere die Messung in der Nacht ist dabei ein großer Vorteil gegenüber anderen Methoden, da kontrolliert werden kann, ob und um wie viel der Blutdruck in der Nacht abfällt (”Dipping”). Kommt es nicht zu diesem Blutdruckabfall spricht man von einem “Non-Dipper”, was auf andere Ursachen für den Bluthochdruck hinweisen kann (z.B. ein Schlafapnoe-Syndrom). Für die 24h-Blutdruckmessung gelten leicht veränderte Werte als Cut-Off für die Diagnose Bluthochdruck:
- 24h-Mittelwert: ≥ 130/80 mmHg
- Tagesmittelwert: ≥ 135/85 mmHg
- Nächtlicher Mittelwert: ≥ 120/70 mmHg
Wie geht es weiter?
Wenn der Verdacht auf Bluthochdruck bestätigt wird, ist es wichtig, weitere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu überprüfen. Auch unabhängig von der Diagnose Bluthochdruck ist es sinnvoll sich über die eigenen Risiken bewusst zu sein, um ggf. Maßnahmen zu treffen. Ein ausführliches Gespräch mit deiner Ärzt:in hilft, die nächsten Schritte zu planen. Abhängig von der individuellen Risikoabwägung können unterschiedliche Untersuchungen und Laboranalysen sinnvoll sein. Folgende Faktoren können Faktoren eine wichtige Rolle spielen:
Blutfettwerte
Veränderungen an Blutfettwerten in den ungesunden Bereich werden als Dyslipidämien bezeichnet. Hierunter werden eine Vielzahl an unterschiedlichen Konstellationen zusammengefasst. Auch die viel besprochenen Cholesterinwerte zählen hier dazu. Im Folgenden findest du einen kurzen Überblick zu den einzelnen Werten.
- Gesamtcholesterin: Gibt die Summe aller Cholesterinarten im Blut an.
- HDL-Cholesterin („gutes Cholesterin“): Transportiert überschüssiges Cholesterin zur Leber und schützt die Gefäße.
- LDL-Cholesterin („schlechtes Cholesterin“): Lagert sich an Gefäßwänden ab und erhöht das Risiko für Arteriosklerose.
- Non-HDL-Cholesterin: Umfasst alle schädlichen Cholesterinarten, sprich das Gesamtcholesterin minus das HDL-Cholesterin.
- Triglyceride: Ein hoher Wert kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.
- Lipoprotein a: Ein genetischer Risikofaktor, der unabhängig vom LDL-Cholesterin die Gefäße schädigen kann.
Blutzucker
Ein erhöhter Blutzucker (Diabetes) erhöht ebenfalls das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im Folgenden findest du die relevanten Werte kurz aufgeführt.
- Nüchternblutzucker: Zeigt, wie gut der Körper den Blutzucker über Nacht reguliert.
- HbA1c: Gibt den durchschnittlichen Blutzucker der letzten drei Monate an.
- Glukosetoleranztest: Misst die Blutzuckerreaktion nach einer Glukosegabe.
- HOMA-Index: Bewertet die Insulinresistenz, ein Frühzeichen von Diabetes.
Gewicht
Ein gesundes Körpergewicht ist entscheidend. Zielwerte sind:
- BMI: Ein BMI zwischen 18,5 und 24,9 gilt als normal. Dabei ist es jedoch wichtig zu beachten, dass der BMI nie alleinstehend, sondern immer auch in Verbindung mit der Körperzusammensetzung betrachtet werden sollte.
- Bauchumfang: Unter 94 cm bei Männern und unter 80 cm bei Frauen.
Bewegung
Regelmäßige Bewegung hilft, den Blutdruck zu senken und das Herz zu stärken:
- Mindestens 150 Minuten moderate Aktivität pro Woche, idealerweise 300 Minuten.
- Ergänze dein Training durch zweimal wöchentliches Krafttraining.
Rauchen
Rauchen ist einer der größten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ein Rauchstopp lohnt sich in jedem Alter und senkt das Risiko sofort.
Alkohol
Es gibt keine sichere Menge Alkohol. Auch Rotwein schützt das Herz nicht, wie oft behauptet wird. Halte dich an die maximalen Mengen:
- Männer: Bis zu 20 g Alkohol pro Tag (z. B. 500 ml Bier).
- Frauen: Bis zu 10 g Alkohol pro Tag (z. B. 250 ml Bier).
Deine nächsten Schritte
- Blutdruck kontrollieren: Wiederhole die Messungen oder führe eine 24-Stunden-Messung durch.
- Arztgespräch: Besprich die Ergebnisse mit einer Ärzt:In und kläre das Vorhandensein weiterer Risikofaktoren.
- Maßnahmen umsetzen: Sofern noch nicht umgesetzt sollten die in diesem Artikel aufgeführten Änderungen des Lebensstils erfolgen. Darüber hinaus gibt es noch eine weitere Maßnahmen, die zu einer Reduktion des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ggf. auch zu einer Senkung des Blutdrucks beitragen können.
Bluthochdruck, auch als arterielle Hypertonie bekannt, ist eine der häufigsten Volkskrankheiten. Viele Betroffene bemerken jedoch lange Zeit nichts von ihrem erhöhten Blutdruck, da dieser in der Regel ohne Symptome bleibt. Dabei kann ein unerkannter und unbehandelter Bluthochdruck langfristig schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. In diesem Artikel erfährst du, wie du vorgehst, wenn ein Verdacht auf Bluthochdruck besteht, welche Risiken er birgt und welche Maßnahmen helfen können.
Blutdruck - was ist das?
Der Blutdruck misst den Druck, mit dem das Blut durch die Arterien gepumpt wird. Dieser Druck entsteht durch die Arbeit des Herzens, das das Blut wie eine Pumpe in den Kreislauf befördert. Dabei gibt es zwei Werte:
- Systolischer Druck: Das ist der höhere (obere) Wert, der entsteht, wenn das Herz sich zusammenzieht (sich kontrahiert) und Blut mit Kraft in die Gefäße pumpt.
- Diastolischer Druck: Das ist der niedrigere (untere) Wert, der gemessen wird, wenn das Herz entspannt ist und sich mit Blut füllt.
Ein Beispiel aus dem Alltag: Wasserleitungen
Stell dir deine Blutgefäße wie ein Netzwerk von Wasserleitungen vor. Wenn der Blutdruck dauerhaft erhöht ist, ist das so, als ob in einem Rohrsystem ständig zu viel Wasser mit hohem Druck durchgepresst wird.
- Was passiert mit der Pumpe? Die Pumpe muss gegen den Widerstand im System arbeiten. Hierfür muss sie mehr Druck aufbauen, wofür sie mehr Leistung benötigt. Kann diese Leistung nicht zur Verfügung gestellt werden fällt die Pumpe aus.
- Was passiert mit den Leitungen? Die Wände der Rohre (in deinem Körper die Gefäßwände) stehen unter Dauerbelastung. Sie können spröde werden, kleine Risse entwickeln oder sich durch die ständige Belastung verdicken, um den Druck auszugleichen. Diese Verdickungen verringern den Platz im Rohr (das Gefäß wird enger), was den Druck weiter erhöht – ein Teufelskreis.
- Was passiert bei zu viel Druck? Wenn der Druck zu hoch wird, können die Rohre platzen. Im Körper kann dies zu Blutungen führen, die an verschiedenen Orten zu Komplikationen führen können.
Warum schadet Bluthochdruck langfristig?
- Das Herz arbeitet unter Dauerlast: Wie eine Pumpe, die ständig gegen einen zu hohen Widerstand arbeiten muss, wird das Herz überlastet. Zunächst reagiert es auf den erhöhten Widerstand im Gefäßsystem wie jeder andere Muskel auch indem es kräftiger wird. Dabei kommt es zu einer Verdickung des Herzmuskels, wodurch sich auch der Sauerstoffbedarf erhöht. Da dieser häufig nicht gedeckt werden kann, verliert das Herz an Effizienz. Ab einer gewissen Größe kommt es dann ebenfalls dazu, dass das Herz “ausleiert” und sich vergrößert. Beide Faktoren zusammen führen zu einer Herzinsuffizienz.
- Die Gefäße verlieren ihre Elastizität: Gefäße sind normalerweise flexibel und können sich an Druckänderungen anpassen. Bei Bluthochdruck verhärten sie mit der Zeit, was das Risiko für Ablagerungen (Arteriosklerose) erhöht. Das ist vergleichbar mit einem alten Gartenschlauch, der steif wird und anfälliger für Schäden ist.
- Organe werden schlechter durchblutet: Organe wie das Gehirn, die Nieren oder die Augen sind auf eine gleichmäßige und ausreichende Blutversorgung angewiesen. Wenn die Gefäße geschädigt sind, kann weniger Blut fließen. Das führt zu Funktionsstörungen – wie Gedächtnisproblemen, Nierenschäden oder Sehverlust.
- Einblutungen: Durch den erhöhten Druck und die Schädigung der Gefäße, kann es zu Schäden an kleinsten Gefäßen kommen, wodurch es zu Einblutungen in empfindliche Gewebe kommt. Betroffen sein können zum Beispiel die Augen oder auch das Gehirn.
Was ist ein Bluthochdruck?
Ein optimaler Blutdruck liegt bei unter 120/80mmHg. Werte bis 139/89mmHg gelten als hochnormal, alles darüber als therapiebedürftig. Der Bluthochdruck kann in verschiedene Stadien eingeteilt werden. Für die Therapie gibt es eine Vielzahl verschiedener medikamentöser Optionen. Darüber hinaus lässt sich durch einen Lebensstilwandel ggf. ebenfalls eine Senkung des Blutdrucks erreichen.
Wie wird Bluthochdruck festgestellt?
Der Blutdruck kann in einem simplen Verfahren über eine Messung mittels einer Blutdruckmanschette und einem Stethoskop durch eine Ärzt:In oder anderes medizinisches geschultes Personal gemessen werden. Alternativ gibt es auch elektronische Messgeräte, die die Blutdruckmessung zugänglicher machen. Hier gibt es gravierende Qualitäts- und Preisunterschiede, auf die wir später noch eingehen werden.
Häufig wird der Blutdruck bei der Hausärzt:In oder zum Beispiel auch der Frauenärzt:In kurz nach dem Betreten der Praxis einmalig gemessen. Aus logistischen Gründen ist dieses Verfahren, das in vielen Praxen angewandt wird nachvollziehbar, jedoch bedingt durch die fehlende Ruhe vor der Messung anfällig für falsch hohe Ergebnisse. Darüber hinaus sind Messungen in Anwesenheit der Ärzt:In ebenfalls fehleranfällig (Stichwort “Weißkittelhypertonie). Solange der Blutdruck in diesen Messungen im gesunden Bereich liegt, ist alles in Ordnung. Wird hierbei jedoch ein erhöhter Wert festgestellt werden, sollte nicht direkt von einem Bluthochdruck gesprochen werden, sondern weitere Verfahren herangezogen werden, um möglichst nah an den tatsächlichen, durchschnittlichen Blutdruck im Alltag zu gelangen. Hierfür können entweder wiederholte Heimmessungen, die in einem Blutdrucktagebuch dokumentiert werden oder eine 24h-Messung genutzt werden. Dazu später mehr.
Wozu führt ein Bluthochdruck?
Ein unbehandelter Bluthochdruck kann langfristig schwerwiegende gesundheitliche Schäden verursachen. Eine frühzeitige Abklärung ist entscheidend, um Komplikationen zu vermeiden.
Herz:
Bluthochdruck belastet das Herz dauerhaft. Das kann zu einer Vergrößerung des Herzmuskels führen, wodurch die Pumpfunktion abnimmt. Langfristig steigt das Risiko für Herzinsuffizienz und Herzinfarkte.
Gefäße:
Die Blutgefäße stehen durch den hohen Druck ständig unter Stress. Große Gefäße wie die Hauptschlagader (Aorta) können Risse oder Erweiterungen entwickeln. Verengungen der Halsschlagader erhöhen das Risiko für Schlaganfälle.
Gehirn:
Bluthochdruck schädigt die kleinen Gefäße im Gehirn. Dies kann zu Schlaganfällen, Gedächtnisproblemen und langfristig zu einer vaskulären Demenz führen. Bei der vaskulären Demenz kommt es durch eine über Jahre gesammelte Vielzahl an kleinen Infarkten im Gehirn zu Störungen der Gehirnfunktion.
Nieren:
Die Nieren sind empfindlich gegenüber hohem Blutdruck. Schäden können dazu führen, dass die Nieren schrumpfen und ihre Funktion verlieren, was in schweren Fällen eine Dialyse notwendig macht.
Augen:
Auch die kleinen Blutgefäße der Netzhaut können durch Bluthochdruck geschädigt werden. Dies kann Sehstörungen verursachen, die oft erst in fortgeschrittenen Stadien bemerkt werden.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Die Diagnose Bluthochdruck wird nicht auf Basis einer einzelnen Messung gestellt, insbesondere nicht unter ungewöhnlichen Bedingungen wie direkt nach körperlicher Anstrengung, vor einer Blutspende oder während einer Messung am Arbeitsplatz direkt nach der Diskussion mit dem Chef. Faktoren wie Stress, Aufregung, Gespräche, schlechter Schlaf oder aber auch die Messbedingungen bzw. das genutzte Messgerät können die Werte verfälschen.
Blutdruckmessung zuhause
Um ein genaues Bild zu erhalten, führst du am besten über sieben Tage hinweg regelmäßig Messungen durch und dokumentierst diese in einem Blutdrucktagebuch.
{{download-item}}
- Messe morgens und abends, jeweils zweimal hintereinander mit mindestens einer Minute Abstand.
- Beachte dabei die “Regeln” zur korrekten Heimmessung
- Bequem und aufrecht angelehnt sitzen
- Füße flach auf dem Boden aufgesetzt
- Den Oberarm unbekleidet und auf Herzhöhe ablegen
- Manschette ca. 2cm oberhalb der Ellenbeuge anlegen
- Korrekte Manschettengröße wählen
- Ein qualitativ hochwertiges Messgerät wählen

- Darüber hinaus sollten folgende Dinge beachtet werden:
- 30min vor der Messung kein Sport, keine Nahrungsaufnahme, kein Kaffee, kein Alkohol, kein Stress durch Arbeit etc., nicht Rauchen
- Vor der Messung 5min ruhig sitzen
- Auf eine angenehme Umgebungstemperatur achten
- Keine Gespräche während und zwischen den Messungen
- Keine Unterhaltung durch Fernsehen, Smarthphone etc.
- Notiere alle Werte in einem Blutdruck-Tagebuch.
- Der Durchschnittswert aus allen Messungen sollte unter 135/85mmHg liegen. Liegt er darüber, könnte ein Bluthochdruck vorliegen. Besprich die erhobenen Messwerte in jedem Fall mit einer Ärzt:In.

24-Stunden-Blutdruckmessung
Eine 24-Stunden-Blutdruckmessung liefert die zuverlässigste und breiteste Datenbasis, da die Manschette innerhalb der 24h Tragezeit mehrfach stündlich (tagsüber meist 2-4x, nachts meist 1-2x) den Blutdruck misst. Insbesondere die Messung in der Nacht ist dabei ein großer Vorteil gegenüber anderen Methoden, da kontrolliert werden kann, ob und um wie viel der Blutdruck in der Nacht abfällt (”Dipping”). Kommt es nicht zu diesem Blutdruckabfall spricht man von einem “Non-Dipper”, was auf andere Ursachen für den Bluthochdruck hinweisen kann (z.B. ein Schlafapnoe-Syndrom). Für die 24h-Blutdruckmessung gelten leicht veränderte Werte als Cut-Off für die Diagnose Bluthochdruck:
- 24h-Mittelwert: ≥ 130/80 mmHg
- Tagesmittelwert: ≥ 135/85 mmHg
- Nächtlicher Mittelwert: ≥ 120/70 mmHg
Wie geht es weiter?
Wenn der Verdacht auf Bluthochdruck bestätigt wird, ist es wichtig, weitere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu überprüfen. Auch unabhängig von der Diagnose Bluthochdruck ist es sinnvoll sich über die eigenen Risiken bewusst zu sein, um ggf. Maßnahmen zu treffen. Ein ausführliches Gespräch mit deiner Ärzt:in hilft, die nächsten Schritte zu planen. Abhängig von der individuellen Risikoabwägung können unterschiedliche Untersuchungen und Laboranalysen sinnvoll sein. Folgende Faktoren können Faktoren eine wichtige Rolle spielen:
Blutfettwerte
Veränderungen an Blutfettwerten in den ungesunden Bereich werden als Dyslipidämien bezeichnet. Hierunter werden eine Vielzahl an unterschiedlichen Konstellationen zusammengefasst. Auch die viel besprochenen Cholesterinwerte zählen hier dazu. Im Folgenden findest du einen kurzen Überblick zu den einzelnen Werten.
- Gesamtcholesterin: Gibt die Summe aller Cholesterinarten im Blut an.
- HDL-Cholesterin („gutes Cholesterin“): Transportiert überschüssiges Cholesterin zur Leber und schützt die Gefäße.
- LDL-Cholesterin („schlechtes Cholesterin“): Lagert sich an Gefäßwänden ab und erhöht das Risiko für Arteriosklerose.
- Non-HDL-Cholesterin: Umfasst alle schädlichen Cholesterinarten, sprich das Gesamtcholesterin minus das HDL-Cholesterin.
- Triglyceride: Ein hoher Wert kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.
- Lipoprotein a: Ein genetischer Risikofaktor, der unabhängig vom LDL-Cholesterin die Gefäße schädigen kann.
Blutzucker
Ein erhöhter Blutzucker (Diabetes) erhöht ebenfalls das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im Folgenden findest du die relevanten Werte kurz aufgeführt.
- Nüchternblutzucker: Zeigt, wie gut der Körper den Blutzucker über Nacht reguliert.
- HbA1c: Gibt den durchschnittlichen Blutzucker der letzten drei Monate an.
- Glukosetoleranztest: Misst die Blutzuckerreaktion nach einer Glukosegabe.
- HOMA-Index: Bewertet die Insulinresistenz, ein Frühzeichen von Diabetes.
Gewicht
Ein gesundes Körpergewicht ist entscheidend. Zielwerte sind:
- BMI: Ein BMI zwischen 18,5 und 24,9 gilt als normal. Dabei ist es jedoch wichtig zu beachten, dass der BMI nie alleinstehend, sondern immer auch in Verbindung mit der Körperzusammensetzung betrachtet werden sollte.
- Bauchumfang: Unter 94 cm bei Männern und unter 80 cm bei Frauen.
Bewegung
Regelmäßige Bewegung hilft, den Blutdruck zu senken und das Herz zu stärken:
- Mindestens 150 Minuten moderate Aktivität pro Woche, idealerweise 300 Minuten.
- Ergänze dein Training durch zweimal wöchentliches Krafttraining.
Rauchen
Rauchen ist einer der größten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ein Rauchstopp lohnt sich in jedem Alter und senkt das Risiko sofort.
Alkohol
Es gibt keine sichere Menge Alkohol. Auch Rotwein schützt das Herz nicht, wie oft behauptet wird. Halte dich an die maximalen Mengen:
- Männer: Bis zu 20 g Alkohol pro Tag (z. B. 500 ml Bier).
- Frauen: Bis zu 10 g Alkohol pro Tag (z. B. 250 ml Bier).
Deine nächsten Schritte
- Blutdruck kontrollieren: Wiederhole die Messungen oder führe eine 24-Stunden-Messung durch.
- Arztgespräch: Besprich die Ergebnisse mit einer Ärzt:In und kläre das Vorhandensein weiterer Risikofaktoren.
- Maßnahmen umsetzen: Sofern noch nicht umgesetzt sollten die in diesem Artikel aufgeführten Änderungen des Lebensstils erfolgen. Darüber hinaus gibt es noch eine weitere Maßnahmen, die zu einer Reduktion des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ggf. auch zu einer Senkung des Blutdrucks beitragen können.
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